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Insider Atlas

Vergleich · Suiten-Kategorien

Was ist eine Suite? Die Definition und was Hotels daraus machen

Die Antwort steht im Kriterienkatalog der Hotelstars Union, und sie überrascht: Eine Suite wird über die Trennung von Wohn- und Schlafbereich definiert, nicht über die Fläche. Eine Junior Suite ist danach keine Suite, auch mit 60 Quadratmetern nicht.

Morten Wilhelm10 Min. Lektüre
Was ist eine Suite? Die Definition und was Hotels daraus machen

Die Frage klingt banal, aber die Suchergebnisse dazu sind es auch. Reiseportale erklären die Suite als „besonders großes Zimmer", Wikipedia liefert auf Platz zwei einen Artikel über die Suite in der Musik, und kein einziges Ergebnis nennt die Definition, die es tatsächlich gibt.

Denn es gibt eine. Sie steht im Kriterienkatalog der Hotelstars Union, gilt in 21 europäischen Ländern, und sie enthält keine einzige Quadratmeterzahl.

Der Wortlaut

Der Katalog zählt unter Kriterium 64 die Suiten eines Hauses und vergibt dafür Punkte, drei je Suite, höchstens neun. Was als Suite zählen darf, regelt die zugehörige Fußnote:

Keine Junior-Suiten. Suiten bestehen aus mindestens zwei voneinander abgetrennten Zimmern, von denen eines als Wohn- und eines als Schlafbereich eingerichtet ist. Die Abtrennung muss nicht durch eine Tür bestehen; ein Durchbruch zwischen zwei Zimmern reicht ebenfalls aus. Eine Ferienwohnung in einer Dependance ist grundsätzlich keine Suite. Damit die Gäste in einer Suite in den vollen Genuss der Serviceleistungen des Betriebes gelangen können, müssen die Suiten im Hotel selbst untergebracht sein.

Vier Sätze, aus denen sich das Wesentliche ablesen lässt.

Erstens: keine Mindestfläche. Der Katalog kennt sehr wohl Größenkriterien, in den benachbarten Punkten 62 und 63 werden 22 und 30 Quadratmeter inklusive Bad und WC bepunktet. Aber diese Kriterien gelten für Zimmer. Für Suiten steht keine Zahl im Katalog. Wer wissen will, ob eine Kategorie eine Suite ist, kommt über die Flächenangabe nicht ans Ziel.

Zweitens: die Trennung ist das Kriterium. Zwei Räume, einer zum Wohnen, einer zum Schlafen. Bemerkenswert großzügig ist dabei die Auslegung: Eine Tür ist nicht erforderlich, ein Durchbruch genügt. Das ist die Grenze zwischen einem Raum mit Sitzecke und einer Suite, und sie verläuft an der Wand, nicht am Maßband.

Drittens: die Junior Suite ist keine Suite. Der Katalog eröffnet die Definition mit drei Worten, die keine Auslegung zulassen.

„Keine Junior-Suiten"

Das ist die Stelle, an der Definition und Marketing auseinanderlaufen. Hotels dürfen den Begriff weiter verwenden, weil Kategoriennamen im Marketing nicht reguliert sind. Wie frei er belegt wird, zeigt sich am deutlichsten innerhalb einzelner Häuser.

Das Palazzo Avino in Ravello führt eine Junior Suite mit 45 Quadratmetern und eine Junior Suite with Balcony and Sea View mit 35 Quadratmetern. Derselbe Kategoriename, zehn Quadratmeter Unterschied. Das Weissenhaus Grand Village an der Ostsee fasst unter einer einzigen Junior-Suite-Kategorie Einheiten von 43 bis 63 Quadratmetern zusammen, eine Spanne von 20 Quadratmetern unter einem Namen.

Unser Portrait des Belmond Hotel Caruso in Ravello beschreibt die dortige 45-Quadratmeter-Kategorie so, wie die Definition sie einordnen würde: eher ein großzügiges Zimmer mit Sitzecke. Das ist keine Kritik am Haus, sondern die zutreffende Beschreibung dessen, was eine Junior Suite ist.

Warum die Fläche in die Irre führt

Die folgenden Werte stammen alle aus unseren Suiten-Portraits und sind dort jeweils gegen die offiziellen Unterkunfts-Seiten geprüft. Sortiert nach Größe, quer über die Kategorien.

Bezeichnung im HausFlächeHaus
Zimmerab 33 m²Mandarin Oriental München
Junior Suite with Balcony and Sea View35 m²Palazzo Avino Ravello
Zimmer35 bis 45 m²Hotel Adlon Kempinski Berlin
Junior Suite Alpenpanorama44 m²Hotel Villa Honegg
Junior Suite45 m²Belmond Hotel Caruso Ravello
Park Suite King45 m²Park Hyatt Paris-Vendôme
Junior Suite51 m²Mandarin Oriental München
Junior View Suite60 m²Hotel Sacher Wien
Suite 182 m²Interalpen-Hotel Tyrol

Drei Beobachtungen daraus.

Ein Zimmer im Adlon und eine Suite im Park Hyatt Paris haben dieselbe Fläche, 45 Quadratmeter. Die kleinste Kategorie, die im Namen Suite trägt, ist in dieser Aufstellung mit 45 Quadratmetern kleiner als zwei Junior Suiten, die mit 51 und 60 Quadratmetern darüber liegen. Und die Einstiegs-Suite im Interalpen ist mit 82 Quadratmetern fast doppelt so groß wie die im Park Hyatt Paris, obwohl beide schlicht Suite heißen.

Wer also nach Quadratmetern filtert, filtert an der Kategorie vorbei. Und wer nach dem Kategoriennamen filtert, erfährt nicht, ob es zwei Räume sind.

Wo die Definition nicht gilt

Die Hotelstars Union wurde 2009 unter dem Dach von HOTREC gegründet, dem europäischen Verband für Hotels, Restaurants und Cafés. Ihr gehören derzeit 21 Länder an, darunter Deutschland, Österreich, die Schweiz, Liechtenstein, die Benelux-Staaten, Dänemark, Schweden, Polen, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Griechenland und Malta.

Italien, Frankreich, Spanien und das Vereinigte Königreich sind nicht dabei.

Das erklärt einen guten Teil der Begriffs-Vielfalt. Für das Palazzo Avino, das Belmond Caruso oder das Park Hyatt Paris-Vendôme ist die Definition schlicht nicht bindend. Sie folgen eigenen Systematiken, und deshalb kann dort eine Suite 45 Quadratmeter haben, während im deutschsprachigen Raum ein Haus mit derselben Fläche von einer Junior Suite spräche.

Innerhalb der Union gilt außerdem: Die Klassifizierung erfasst nur Häuser, die sich ihr anschließen. Das Hotel Adlon Kempinski Berlin, das Hotel Sacher Wien und der Hotel Bayerischer Hof München führen alle die Auszeichnung 5 Sterne Superior und fallen damit unter das System.

Die Staffel im Grand-Hotel

Oberhalb der Suite wird es wieder unübersichtlich, denn dort endet die Regulierung endgültig. In der Praxis hat sich eine Reihenfolge eingespielt, die etwa so aussieht: Zimmer, Junior Suite, Suite in mehreren Ausbaustufen, Penthouse- oder Panorama-Suite, und an der Spitze die Präsidenten- oder Imperial-Suite.

Wie viele Stufen ein Haus daraus macht, ist Geschmackssache. Das Hotel Adlon Kempinski Berlin führt 78 Suiten in 16 Kategorien, nach eigener Angabe die breiteste Auswahl Deutschlands. Das Mandarin Oriental München kommt mit 25 Suiten in 11 Kategorien aus. Das Hotel Sacher Wien staffelt von der Junior View Suite mit 60 Quadratmetern über die Signature Suite bis zur Wiener Philharmoniker Suite mit 155 Quadratmetern.

Für die oberste Stufe gibt es keinerlei Definition mehr. Wie weit die Spanne dort auseinandergeht, haben wir im Vergleich zur Präsidentensuite an zehn Kategorien durchgerechnet: von 120 bis 325 Quadratmetern, und in sechs von zehn Fällen ist die Präsidentensuite nicht einmal die größte Suite ihres Hauses.

Die eine Frage vor der Buchung

Ob eine konkrete Kategorie zwei abgetrennte Räume hat, steht selten auf der Buchungsseite. Grundrisse werden fast nie veröffentlicht, und die Fotos zeigen bevorzugt den Wohnbereich aus dem Winkel, der ihn am größten wirken lässt.

Deshalb lohnt eine einzige Rückfrage an die Reservierung: Sind Wohn- und Schlafbereich zwei voneinander getrennte Räume, und gibt es eine Tür dazwischen? Die Definition lässt den bloßen Durchbruch genügen, für den Aufenthalt macht die Tür allerdings den Unterschied. Sie entscheidet darüber, ob einer lesen kann, während der andere schläft, ob ein Abendessen im Zimmer serviert werden kann, ohne dass das Bett danebensteht, und ob ein Videocall möglich ist, ohne das Schlafzimmer zum Hintergrund zu machen.

Wer das für längere Aufenthalte plant, findet die Einordnung nach Aufenthaltsdauer in unserem Vergleich zu Business-Suiten in München und Frankfurt.

Quellen

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